Region - 13. September 2005

Klangliche Intensität in barockem Umfeld

Mit einer beeindruckenden Aufführung der Messe h-Moll wurde am vergangenen Sonntag die Reihe der von Heidi Wild organisierten Konzerte von der barocken Pracht der Rheinauer Klosterkirche fortgesetzt. Unter der Leitung von Bernhard Hunziker boten Sarah Maeder (Sopran), Anna-Maria Locher (Sopran),

Melanie Veser (Alt), Reto Hofstetter (Tenor), Michael Raschle (Bass) sowie das vom Ensemble La Partita begleitete Bach-Collegium Zürich eine von klanglicher Intensität, rhythmischer Deutlichkeit und fliessender Lebendigkeit geprägte Interpretation des grossen Werkes Johann Sebastian Bach.

Die überwältigende Verbindung der grandiosen Musik mit der heiligen Messe stellt an Dirigent und Interpreten gleichermassen hohe Ansprüche. Die in Rheinau auftretenden Sängerinnen und Sänger, die sie begleitenden Instrumentalisten sowie der auf fliessenden Tempi bedachte Leiter meisterte die grosse Herausforderung auf bemerkenswerter Weise. Das Publikum bedankte sich für diesen einmaligen Genuss am Schluss mit einer langen und stillen Andacht. An Stelle des Applauses erklangen - der Tradition des Hauses folgend - zum würdigen Abschluss des musikalischen Gottesdienstes die Kirchenglocken.

Bernhard Hunziker offenbarte viel Liebe zum Detail. Die schwierigen Übergänge zum Qui tollis, zum Cum sancto und zum Pleni sunt coeli meisterte der Chor ebenso souverän wie das achtstimmige Osanna. Natürlich gab es auch weniger starke Momente. So traten die zahlenmässig überlegenen Frauenstimmen stärker hervor. Auch die Balance zwischen den Instrumentalisten liesse sich in verschiedenen Sätzen noch verbessern. Den vom Dirigent hinter dem Orchester positionierten Solisten mangelte es vor allem in den tieferen Stimmlagen an der Kraft, um das notwendige Gleichgewicht zum oft sehr dominanten Orchester zu erzielen. Untadelig blieb die Leistung der Instrumentalsolisten. Bemerkenswert auch die Artikulation der Sänger. Nur an wenigen Stellen - zum Bespiel beim Et Expecto - drohte die durchsichtige Interpretation für einige Momente zu verschwimmen. Perfekt dagegen der Wechsel von der wunderschönen meditativ interpretierten Kreuzigung (Cruxifixus) zur dynamisch gestalteten Auferstehung (Resurrexit). Mit dem ewigen Wunsche nach Frieden - Dona Nobis Pacem - klang die bewegende Aufführung in dem bis zum letzten Platz besetzten Kirchenraum aus.

Walter Joos
13. September 2005, Region
Konzert vom 11. September 2005 in der Klosterkirche Rheinau - Messe in h-Moll, BWV 232